 Harmonisches Miteinander von alt und neuBarocke Baukunst und Moderne Architektur in Eichstätt Barockbaumeister und ihre Werke prägen das Stadtbild Eichstätts bis heute. In der neueren Zeit gelang eine geglückte Verbindung mit Moderner Architektur
Nach den Baumeistern des Mittelalters und nach Jakob Engel, Gabriel de Gabrieli und Mauritio Pedetti, den drei Eichstätter Baumeistern des Barock, bescherte der ehemalige Diözesanbaumeister Professor Karljosef Schattner von 1957 bis 1992 der kleinen Bischofs- und Universitätsstadt Eichstätt im Altmühltal zum dritten Mal einen Höhepunkt ihrer Architektur. Entstanden ist so im Laufe von vielen Jahrhunderten ein Stadtgesicht, das Eichstätt längst auch zu einem Anziehungspunkt für den Tourismus werden ließ.
Von Ansbach ins Altmühltal
Ein Glücksfall waren für Eichstätt in der Vergangenheit zuerst die Bischöfe, denn sie zeigten sich immer schon baufreudig und hatten zudem eine glückliche Hand bei der Wahl ihrer Baumeister. Nicht anders im Jahre 1714, als der aus Roveredo stammende und damals noch im Dienst des Markgrafen von Ansbach stehende Gabriel de Gabrieli sich verändern wollte. Von seinem 1714 in Eichstätt verstorbenen Landsmann, dem Hofbaudirektor Jakob Engel wurde Gabrieli denn auch schon frühzeitig dem Eichstätter Fürstbischof Johann Anton I. Knebel von Katzenellenbogen empfohlen. Die damals im Ansbachischen etwas zerrütteten Finanzen spielten sicher auch eine Rolle beim Wechsel Gabrielis an die Altmühl.
Dort fand der angehende Kammerrat und Baudirektor des Fürstbischofs eine Residenzstadt vor, die eben dabei war, sich von den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges zu erholen. Die Bischöfe waren von ihrer mittelalterlichen und in der Renaissancezeit repräsentativ ausgebauten Residenz, der Willibaldsburg, hoch über der Stadt in das Tal zurückgekehrt und bezogen den südlich des mittelalterlichen Doms liegenden und von Jakob Engel errichteten Residenzneubau. Eine buchstäbliche Baueuphorie überkam die Fürstbischöfe, nachdem Gabriel de Gabrieli mit der neuen Westfassade des Domes 1716 eine erste Kostprobe seines Könnens und einer neuen Maßstäblichkeit im Städtebau gegeben hatte. An die 30 Bauwerke entstanden dann in den drei Jahrzehnten bis zu Gabrielis Tod am 21. März 1747.
Platz- und Architekturensemble
Darunter der geistliche Bezirk, die zahlreichen Repräsentations-, Verwaltungs- und Wohnbauten des die Stadt regierenden, geistlichen Adels. Bewusst der mittelalterlichen Stadtstruktur folgend, erstellte Gabrieli Kavaliershöfe und Nutzbauten entlang einer großzügigen Tangente um die Residenz des Fürstbischofs herum. Entstanden ist so, mit dem Residenzplatz, der späterhin von Gabrielis Amtsnachfolger Mauritio Pedetti noch akzentuiert wurde, ein Platz- und Architekturensemble, das aufgrund seiner formalen Einheit zu den schönsten in Europa gezählt wird.
Vor den Stadttoren im Osten Eichstätts errichtete Gabrieli ab 1735 die fürstbischöfliche Sommerresidenz, in der seit 1974, nach einem Umbau durch Karljosef Schattner, die Universitätsverwaltung Platz genommen hat. Bereits ab 1717 entstand im südwestlich von Eichstätt gelegenen Kloster Rebdorf ein festlicher Arkadenhof, in dem Gabrieli sein im Ansbachischen vorbereitetes Architekturmotiv des syrischen Bogens in einen heiteren Rhythmus der Bauglieder gipfeln ließ.
So entstand letztlich eine nahezu einheitlich dem Barockstil verpflichtete, fürstbischöfliche Residenzstadt. Ihr wesentliches Charakteristikum ist freilich die auch in der Barockzeit beibehaltene mittelalterliche Stadtstruktur mit der klaren Scheidung in Bischofs- und Bürgerstadt. Die Nachfolger Gabrielis konnten nur mehr wenige Verfeinerungen hinzufügen.
Anders freilich in unserem Jahrhundert, als ab 1957 der Diözesan- und Universitätsbaumeister Karljosef Schattner mit ähnlicher Verve, wie Gabrieli knapp zweieinhalb Jahrhunderte davor, der Moderne im Stadtgesicht Eichstätts Bahn brach. Auch Schattner hat es auf eine über dreißigjährige Amtszeit im Dienste der Eichstätter Bischöfe gebracht. Und seine Architektursprache des “trennenden Verbindens” hat Eichstätt in den vergangenen fünfzehn Jahren zu einem Wallfahrtsort für Architekten werden lassen.
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